Alles hängt

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„Ach herrje, wir sind total ausgebucht! Aber nächste Woche bekommen wir einen neuen Kollegen, bei dem ist noch alles frei!“
Mein Arm braucht Physiotherapie, weil er sich für die anstehende Bestrahlung besser bewegen lassen muss als er das jetzt tut. Mir wäre es zwar lieber gewesen, wenn eine Frau meinen Arm wieder zur vollen Beweglichkeit verholfen hätte, aber der Notstand in den Physio-Praxen scheint groß zu sein, nirgends sind kurzfristig freie Termine verfügbar, also lasse ich mich bei dem neuen Kollegen eintragen. Und dann steht er vor mir, der neue Kollege, an meinem ersten Tag, und es stellt sich heraus, dass es auch sein erster Tag ist. Sein allererster Arbeitstag überhaupt! Ich ertappe mich kurz bei dem Gedanken, dass mir nicht nur eine Frau, sondern auch jemand mit Erfahrung lieber gewesen wäre. Andererseits, junge Leute frisch von der Physio-Schule bringen frischen Wind und die neuesten Erkenntnisse mit. Der junge Mann macht seine Arbeit auch wirklich gut. Mit einer rührenden Ernsthaftigkeit knetet und walkt er mein Gewebe, mit großer Vorsicht führt er meinen Arm in die verschiedensten Richtungen und es wirkt! Der Arm wird immer beweglicher. Die nächste Übung soll ich im Vierfüßlerstand ausführen. Auf der Liege. Mit freiem Oberkörper! Mit leichtem Unbehagen begebe ich mich in die Position und fange brav mit der Übung an, aber die ganze Zeit nagt der Gedanke an mir, dass der junge Mann (er könnte mein Sohn sein!) gerade beste Sicht auf die Auswirkungen von Alter und Schwerkraft hat. Eine kleine Weile ringe ich noch mit mir, dann beschließe ich endlich, dass ich wenigstens mein T-Shirt wieder anziehen will. Und siehe da, beim nächsen Mal verkündet der junge Mann von sich aus, dass ich für die Übungen meine Klamotten wieder anziehen darf. Und ich habe wieder mal gelernt, dass ich ruhig für meine Wünsche einstehen darf.

Hängebauch, Hängebusen, Hängehut!
Hüte dieser Art heißen tatsächlich „Schlapphut“!

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