Vorher/Nachher

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Du schläfst ein: Alles noch dran. Du wachst auf: Ein Körperteil fehlt. Das finde ich total verrückt und unwirklich. In der Realität hat es knapp 2 Stunden gedauert, für mich sind gefühlt gerade mal 5 Minuten vergangen. Da muss ich gedanklich jetzt erstmal hinterher kommen.
Das Herz sagt: „ Die haben mir tatsächlich meine Brust weggenommen! Ohne nochmal nachzufragen! Metzger! Schweinepriester!!“
Die Vernunft sagt: „Du willst doch weiterleben, oder? Dir wurde nichts weggenommen, du hast ein Körperteil eingetauscht gegen Gesundheit.“ Dieser Gedanke kommt nicht von mir, sondern von der Onko-Psychologin, die kurz vor der OP noch einmal bei mir vorbeikam, zum Glück.
Immerhin, gedanklich komme ich langsam in die Richtung, dass es nicht die Chirurgen waren, die mir etwas weggenommen haben, sondern der Krebs, dieses vermaledeite Oberarschloch. Die Chirurgen haben nur ihre Arbeit getan, und das haben sie, jedenfalls in meinem Fall, sehr gut gemacht. Also: Herzlichen Dank! Bis ich davon auch optisch überzeugt bin, dauert es noch eine Weile. Es ist schon ein bisschen schräg, wenn man bei der Visite begutachtet wird und der Arzt sagt: „Sieht gut aus!“, während man selber findet, dass man in dem Bereich eher einem Blobfisch ähnelt.
Faszinierend finde ich, dass der Körper sofort mit den Aufräumarbeiten beginnt, so nach dem Motto: „Problem aufgetaucht? Alle Mann an die Arbeit! Sofort aus der Welt schaffen!“ So ein menschlicher Körper ist schon ein Wunderwerk mit all´ den Mechanismen, die da ineinandergreifen. Von ganz alleine und aus sich selbst heraus, ohne jegliches Zutun!
Die Seele, tja, die ist auch ordentlich am Rotieren. Das wird wohl eine Weile dauern, bis ich mich mit den „Neuigkeiten“ angefreundet habe.

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